Autor Thema: Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?  (Gelesen 149 mal)

Fido

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Hallo,

hat jemand eine Meinung zu Afghanistan?

Der Flughafen Kabul scheint ja, Zentrum der Evakuierung, wie der Thermopylenpass unserer Zeit: Die Minderheit der Freien ist bedraengt von der faschistoiden Masse.

Eingangsthese, aber erstmal nur als Anreisser.

Gruss

Fido
« Letzte Änderung: 17.08.2021, 20:24:15 von Fido »

Nazir ibn Yussuf

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #1 am: 17.08.2021, 23:42:38 »
Gibt es zu Afghanistan zwei Meinungen oder sind sich alle ueber das vollstaendige, erbaermliche Versagen aller westlichen Akteure einig?

Naja, Hauptsache, es kommen keine Fluechtlinge! #laschetverhindern
Vinsalts Foren-PRAios

Was f?r mich bedeutet DSA wurde von Links-Gr?nen bunten Spinnern gekapert (...). Ich sehe das als Kampf um die Seele von DSA, die nun mal Wei?, Europ?ische Pr?gung (...) ist.

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #2 am: 18.08.2021, 03:19:10 »
Die Behauptung, es sei ein Allerlei von Leuten, duerfte aber wenig Boden haben. Es waere ja eine Auslese von westlich gepraegten Leuten.

Ob Kritiker an den Stammtischen auf dem Schirm haben, dass der Verrat an diesen Leuten zur nationalen Unehre gereichen wuerde, bleibt abzuwarten.

Kuanor

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #3 am: 18.08.2021, 17:39:07 »
Gibt es zu Afghanistan zwei Meinungen oder sind sich alle ueber das vollstaendige, erbaermliche Versagen aller westlichen Akteure einig?

Naja, Hauptsache, es kommen keine Fluechtlinge! #laschetverhindern

Das. ^^

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #4 am: 18.08.2021, 18:03:35 »
Bei der Baerbock weiss man ja nicht, welche Voegel die im Schwarm hinter sich herzieht.

Ich werde wahrscheinlich mit der Erststimme die CDU und mit der Zweitstimme die SPD waehlen. Das ist eigentlich die einzige Moeglichkeit, wenigstens keine direkte Schuld auf sich zu laden ... :-)

Fil

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Antw:Flughafen Kabul
« Antwort #5 am: 19.08.2021, 14:34:50 »
Ja, Maas und AKK sollten unbedingt weitermachen. Entweder unter Laschi oder unter dem kernigen Typen mit dem schlechten Gedaechtnis bei Hinterzimmerdeals. Wait...
« Letzte Änderung: 19.08.2021, 16:29:37 von Fil »

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #6 am: 19.08.2021, 16:23:58 »
Es reicht ja schon, wenn die Gruenen in einer rot-gruenen Koalition nicht den Ton angeben.

Also versucht die Erststimme fuer die CDU - Ort: BW -, das etwaige Direktmandat der Gruenen zu unterwuehlen.

Als SPD-Mitglied kann ich bei der Zweitstimme nicht immer auf die FDP ausweichen. Ausserdem ist Scholz Jurist: Wenn er wollte, koennte er strukturiert denken. Das koennen so Claudia-Roth-Maedchen nicht.

Ich kenne doch das Personal aus diesen Studiengaengen.

Fil

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #7 am: 19.08.2021, 16:30:19 »
Ich halte es grundsaetzlich fuer richtig abzuziehen. Die Art und Weise des US-Abzugs und die Begleitumstaende mit den Verhandlungen der USA und Taliban haben allerdings zu vermeidbaren Dominoeffekten gefuehrt. Ich habe auch den Eindruck, dass die ANA vollkommen falsch aufgestellt war. Man haette mehr tun koennen, um als US-Geldgeber oder einflussreicher Afghane mit westlicher Ausrichtung ihre Struktur und Stimmung zu stabilisieren, denke ich.

Weder Deutschland noch die USA sollten Nationen bekindergaertnern. Noch dazu wenn sie weit entfernt liegen. Um Tunesien und Libyen sollte man sich besser kuemmern, aber Afghanistan hatte seine Chance in zwanzig Jahren eine funktionsfaehige Armee aufzubauen. Man hat auf die falschen Leute gesetzt und es offenbar nicht noetig gehabt ernsthaft nachzubessern.

~90 Mrd und zwei Jahrzehnte spaeter klappt die Sache zusammen wie ein Kartenhaus. Selbst Figuren aus Pappmache haetten laenger standgehalten. Aber waere das nicht auch in zehn Jahren der Fall gewesen? Wenn die Bevoelkerungsmehrheit oder zumindest ein gewichtiger Anteil in der Taliban-Welt leben will, dann kann das niemand aus dem Ausland verhindern. Ohne Zweifel bitter fuer westlich orientierte Kraefte, aber wir werden auch nicht jedes Land der Welt in einer globalen Bemuehung hin zu einem universellen Ideal verbessern. Zumal wir in den eigenen Laendern genug Menschenfeinde haben, die Humanismus untergraben.

Das man sich mit der Evakuierung eigener und assozierter Kraefte glaubte alle Zeit lassen zu koennen ist ein Armutszeugnis fuer die Verantwortlichen hierzulande und lebensgefaehrlich fuer die Betroffenen und ihre Familien.
« Letzte Änderung: 19.08.2021, 16:33:05 von Fil »

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #8 am: 19.08.2021, 16:41:59 »
Von den Medien unbeleuchtet ist die Frage, welches Image der Westen hat: In einer traditionellen Gesellschaft kann man geradezu grenzenlos herumpolemisieren.

Zweitens ist das konkrete und alltaegliche Image der Besatzungssoldaten nicht betrachtet: Vielleicht hat man den B'52-Bomber nicht vergessen, der eine Hochzeitsgesellschaft ausradiert hat. Oder die Verweigerung von Berichterstattung ueber Prostitution im Umfeld des Bundeswehrstuetzpunktes hat Kolportage vor Ort nicht vereitelt.

Fil

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Antw:Flughafen Kabul
« Antwort #9 am: 19.08.2021, 16:58:33 »
Wenn Du Dir Kommentare bei der englischen Ausgabe von Al Jazeera durchliest muss man gar nicht tief einsteigen um auf eine massive Ablehnung der heuchlerischen Kreuzzuege des Westens zu stoszen. Das geht quer durch die muslimische Welt und ist ja auch nicht ganz unberechtigt.
Getragen werden die US-Invasionen doch vom Gedanken (fast) der gesamten Welt die eigene Dominanz aufzuzwingen, seine Ruestungsindustrie zu beschaeftigen und den ungehinderten Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Erst in zweiter und dritter Linie kommt der Glauben an die Vermittlung eigener Maszstaebe, die je nach Verantwortlichem ganz unterschiedlich ausfallen koennen und die oefter von Hybris, als von gutem Willen getragen werden.

Zweifelsohne sind sowohl im Irak, als auch in Afghanistan die US-Bemuehungen daran gescheitert, dass man die Bevoelkerung eher als Problem, denn als potentielle Verbuendete gesehen und behandelt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass die USA ihre Verbuendeten bestenfalls als nuetzliche Idioten, aber weitaus haeufiger als Verbrauchsmaterial betrachten. Vielleicht ist es auch ein bisschen viel verlangt, dass man irgendwo einmarschieren und einen kulturellen Wandel bewirken kann, der in der Lage ist eine Regierung auf Dauer zu tragen und gegen Feinde aus den eigenen Reihen abzusichern. Westdeutschland und Suedkorea sind recht alte Musterbeispiele, die sich offenbar nicht beliebig reproduzieren lassen. Zumal, wenn man die Menschen vor Ort allzu offensichtlich geringschaetzt.
« Letzte Änderung: 19.08.2021, 17:02:32 von Fil »

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #10 am: 19.08.2021, 17:05:32 »
Naja, es gibt fuer beide Vorgehensweisen Vorbilder:

Alexander der Grosse, heisst es, habe seine Herrschaft behauptet, indem er einheimische Kulte und Braeuche respektierte.
(Uebrigens waere bei ihm nicht von zwanzig Jahren die Rede...)

Den Namen von Volk und Freiheit anzurufen, um einen Tyrannis-Laden zu knacken, ist Erfahrung der Amerikaner- oder ihr feierlicher Selbstbetrug bei der Ausrufung eines Kriegsgrundes. Aber auch die Republik Venedig hat dieses Vorgehen im 14. und 15. Jahrhundert mit Erfolg praktiziert.

Eines kommt als im Grunde laengst bekannte Weisheit hinzu: Man kann eine Staatsform nicht gegen die soziooekonomischen Verhaeltnisse etablieren. Sie wird von den Tatsachen eingeholt oder wird zur Phrase.
Dazu muesste man jetzt besser wissen, ob es in Afghanistan ein hinreichend starkes Buergertum, soziale Dynamik etc gibt.
« Letzte Änderung: 19.08.2021, 17:28:17 von Fido »

Kuanor

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #11 am: 20.08.2021, 15:56:14 »
Afaik wurden in Westdeutschland von den USA nicht umsonst die christlichen Kirchen als die n?chstbeste Ersatzideologie nach dem Faschismus gest?rkt ? w?hrend die USA selbst noch ein St?ck sekul?rer eingestellt waren. Heute zahlt der Staat nun viele Millionen j?hrlich an ein paar Glaubensvereine wegen alter Vertr?ge, die so lange nie zu gelten bestimmt waren, aber dem Vorgehen der USA in diesem Punkt ist sicherlich mehr Weisheit zuzumessen, als nun in Afghanistan.

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #12 am: 20.08.2021, 17:15:32 »
Mit Deutschland ist es doch etwas anderes. Wenn es den Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise nicht gegeben haette, muesste man vermutlich eine andere Geschichte schreiben. Der Nationalsozialismus war ja nicht das Finale der deutschen Entwicklung, bevor das Land bekehrt wurde, sondern steht der Gesamtentwicklung weit eher entgegen.

Deutliches Signal scheint mir zu sein, dass das Kaiserreich und bspw. die deutsche Militaerjustiz im Ersten Weltkrieg in Hitlers Urteil zu liberal und zu lasch waren.

Die Populaermusik der Zwanziger Jahre war international, wies oft mehrere Sprachversionen auf. Das sind in Beziehung auf den Westen keine riesigen Distanzen.

Ausserdem hat sich die erste Nachkriegsgeneration ohne Unterschied wie die Altersgenossen in England oder Frankreich ausgerichtet. Das waere nicht der Fall gewesen, wenn man die angloamerikanische Kultur als komplett wesensfern eingeordnet haette.
« Letzte Änderung: 20.08.2021, 23:01:45 von Fido »

Fido

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Antw:Flughafen Kabul: Thermopylenschlacht des Jahres 2021?
« Antwort #13 am: 27.08.2021, 20:49:40 »
War jemand mal beim echten Thermopylai?

Wenn der Pass an der engsten Stelle nur ein halbes Plethron breit war (oder ist), also ca. 15 m, koennen eigentlich nicht Tausende Meder und Perser den Kampfplatz bedeckt haben, ohne dass nachfolgende Kampfesscharen ueber absurd hohe Leichenhaufen zu stiefeln gehabt haetten.